Blog as Safe Space

05.12.2024

Mein erstes Mini-Blog hieß Museums|Cultural Heritage|Digital Media. Ich habe es im Jahr 2007 auf einem kostenlosen WordPress 2.0 Template veröffentlicht. Wie ich heute, fast 18 Jahre später, festgestellt habe, hat das Internet meine kleine Text-und Materialsammlung von damals bewahrt. Das Blog ist in seiner ganzen Bescheidenheit gut gealtert: Alle Links funktionieren, die Post-Archive liefern zuverlässig das Gesuchte aus und das Kalendermodul zeigt den heutigen Tag an, wenngleich der letzte Eintrag vom August 2007 weit zurückliegt.

Fast zeitgleich kam dann gleich das nächste Blog, Curating Netart. Diesmal gemeinsam mit Ursula Endlicher aus New York. Wir nutzten das Blog für eine Art öffentliche Brieffreunschaft zum Thema Netzkunst. Über drei Jahre lang tauschten wir uns darüber aus. Irgendwann schrieben uns Menschen, die wir nicht kannten, Kommentare zu unseren Beiträgen. Einmal wurden wir von dem Künstler:innenkollektiv Cont3xt.net eingeladen, eine digitale Ausstellung namens Link of Thought – Thought of Link auf Basis unserer Themen im Blog zu „taggen“. Ich fand es aufregend, dass es da draußen Interessierte gab, die etwas mit unseren Texten anfangen konnten.

Das Bloggen wurde so zum Ausgangspunkt für immer neue Formate und Begegnungen. Das Publizieren im Internet war eine Form künstlerischer Produktion – unabhängig von Institutionen, Budgets und der Verwertungslogik des Marktes. Bei fast allen meinen Projekten spielt das Format des Bloggens eine wichtige Rolle. Es bietet eine Möglichkeit des Wissensaustauschs und der Reflektion, egal ob bei SUPERMARKT, bei Platform Coops oder bei Poetic Tech – Text-und Wissensproduktion sind stets ein integraler Bestandteil meiner Arbeit.

Als ich mich jetzt, nach vielen Jahren des dezentralen Bloggens, dazu entschlossen habe, endlich eine eigene Website „nur für mich“ zu starten, war klar, dass auch ein Blog darin vorkommen sollte. Bei Stéphanie Boisset, der Designerin und Entwicklerin dieser Website, rannte ich mit meinen Ideen offene Türen ein. Wir arbeiten seit fast zwanzig Jahren regelmäßig zusammen und teilen eine Vorliebe für digitalen Minimalismus, bei dem es um Funktionalität, Datensouveränität und Zugänglichkeit geht. Entstanden ist nun diese Website. Ein digitaler Safe Space, ohne Trackingtools, ohne Werbung, ohne Datenklau. So einfach, wie es nur geht. Viel Spass!